Wenn man sich nicht einmal beschweren kann
In meinem Blogartikel zu Audio Captchas aus Nutzerinnensicht erwähnte ich auch Webvisum. Dieser Dienst ermöglichte es – nach Anmeldung und Freischaltung – blinden und sehbehinderten Menschen grafische Captchas zu interpretieren und somit dieses Hindernis zu überwinden.
Leserin B. (sie will anonym bleiben) hat mich jetzt darauf aufmerksam gemacht, dass die Website vollkommen vom Netz ging und dort nur mehr die “klassische Werbung” von verlassenen Domains zu finden ist.
Jetzt steht B. vor der Situation, dass sie auf einer Website kein grafisches Captcha lösen kann. Will sie dieses Problem dem Website Betreibern mitteilen, dann findet sie oft keine E-Mail Adresse sondern nur eine Kommentarformular. Siehe da, dieses ist dann auch durch ein Captcha vor Spambots geschützt. B. beschreibt das Gefühl, dass einem als blinde Nutzerin überkommt mit
Da komm ich mir gaaaanz schön verarscht vor!
Das kann ich durchaus verstehen.
Jetzt muss ich mich auf die Suche nach einer Antwort begeben, was mit Webvisum passiert ist.
Ergänzung vom 22. Juni: Marco Zehe berichtet, dass Webvisum wieder zur vollsten Zufriedenheit arbeitet. Na bitte.
Ergänzung vom 23. Juni: Auch andere blinde Nutzerinnen regen sich auf.
Trackbacks
Trackback-URL für diesen EintragKeine Trackbacks
Kommentare
Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt
Wini :
?
Ich tu mir zwar beim Lesen oft sehr schwer, habs jetzt auch mal probiert zu “hören” mit ähnlich ernüchterndem Ergebnis, aber “besser als nichts”?
Robert Lender :
Wie jemand auf einer anderen Seite schreibt: Wenn der/die “kleine” BloggerIn Captchas verwendet, muss es zwar auch nicht sein, aber es ist tw. verständlich.
Wenn aber Firmen wie Facebook etc. nicht über Alternativen nachdenken, dann ist das nur sehr begrenzt bis gar nicht verständlich.
Fritz Weisshart :
Captcha Monster
Der Dienst ist kostenpflichtig. Aber US$ 2.99 pro Monat für 60 gelöste CAPTCHAS sollte akzeptabel sein.
Es gibt eine kostenlose 30 Tage Demo.
Captcha Monster funktioniert ähnlich wie WebVisum als Firefox Addon. Und auch die Benutzung ist ähnlich.
Kurzer Erfahrungsbericht meiner 30 Tage:
1. Captcha Monster ist häufig nicht erreichbar.
2. funktioniert, wenn es denn funktioniert, so gut, dass ich es – obwohl nicht sehbehindert – aus Bequemlichkeit gerne nutze.
3. Ein Wermutstropfen: denic.de Captchas werden überhaupt nicht erkannt. Und beim Anbieter scheint das niemanden zu interessieren, zumindest habe ich auf diverse Versuche, Kontakt aufzunehmen, keinerlei Reaktion erhalten. Schade eigentlich.
Robert Lender :
Einerseits interessant – und wieder ein Hinweis – das Captchas nur mehr begrenzt als “Hindernis” für Bots taugen.
Andererseits traurig, dass es solcher Dienste bedarf, weil Webanbieter keine besseren Anti-Spam-Maßnahmen implementieren oder vielleicht nicht einmal kennen.