Google Analytics ade - Willkommen Piwik

Längere Zeit habe ich als Statistiktool Google Analytics auf meinem Blog verwendet. Natürlich kann dieses Tool sehr viel aber immer bleibt im Hinterkopf, dass Google damit über mein Blog weitere Daten über SurferInnen sammelt und eingeloggt Google UserInnen noch besser “überwachen” kann.
Daher habe ich auf die Suche nach einer Alternative gemacht.
In der letzten Ausgabe des T3N Magazin fand ich nun das Web Analyse Tool Piwik. Piwik ist Open Source und wird auf dem eigenen Server bzw. Webspace installiert.
Installation
Mit PHP 5.1 und einer mySQL Datenbank ist man dabei. Wie gewohnt schiebt man die Dateien per FTP in ein Verzeichnis am eigenen Webspace. Danach ruft man im Webbrowser die entsprechende Subseite auf der eigenen Domain auf und wandert durch ein kurzes Installationsprogramm in dem man die Daten für die mySQL Datenbank, Username und Passwort etc. eingibt.
Piwik erlaubt mehrere Websites (eigentlich so viele man will) zu tracken. Dazu erhält man über die Adminseite seiner Piwik-Installation einen kleinen Javascript Code. Ich hatte zuerst Probleme diesen korrekt in mein Blog einzubinden. Aber bevor ich noch länger an irgendwelchen Template-Dateien rumspielte, machte ich es mir noch einfacher. Ich installierte in Serendipity einen weiteren HMTL-Klotz, den ich mit dem Code befüllte. Der Klotz erhielt keine Überschrift und ist somit im Blog nicht ersichtlich, wird aber bei jedem Seitenaufruf mit der Seitenleiste geladen und erlaubt somit eine vollständige Aufzeichnung der BesucherInnenbewegungen.
Nebstbei: Piwik kommt auch mit einer deutschsprachigen Oberfläche.
Vorteile vorneweg
Piwik hat einige Vorteile gegenüber Tools wie Google Analytics, die auch im neuesten Blogbeitrag bei Piwik unter dem Titel 7 reasons why your commercial site needs Piwik aufgelistet werden. Manches davon gilt aber nicht nur für kommerzielle Seiten.
Hier also meine ganz subjektiven Vorteile:
- Piwik ist Open Source, kostet somit nichts und der Quellcode ist für jeden einsichtig und somit kontrollierbar
- Piwik wird am eigenen Webspace installiert und unterliegt somit allein meiner Kontrolle. Das bedeutet auch, dass die von Piwik erhobenen Daten niemanden außer mir selbst einsichtig sind. Kein Google oder irgendein anderer Statistikanbieter haben somit Zugriff darauf.
- Piwik ist durch Plugins erweiterbar. Ich habe mir noch nicht angesehen wie kompliziert diese sind. Plugins erlauben ganz eigene Auswertungs- und Darstellungsmöglichkeiten.
- Real Time. Im Gegensatz zu Google Analytics sehe ich beim Aufruf von Piwik die Zugriffszahlen genau bis zu diesem Zeitpunkt. Ich kann also alle x Minuten die Statistik erneut aufrufen und bin immer am aktuellen Stand. Um zu verfolgen ob ein gewisser Artikel wirklich so schnell im Netz “durchschlägt” etc. ist dies praktisch und für manche wohl DAS Argument.
- Auch wenn ich noch keine Gelegenheit dazu hatte es zu testen. Mit der neuen Version von Piwik kann man das System online updaten. Kein FTP oder sonst etwas ist angeblich mehr notwendig. Zur eigenen Sicherheit muss man dies aber über das “Dashboard” (die Adminoberfläche) selbst anstossen.
Das Backend
Bevor ich euch mit 20 Screenshots langeweile, verweise ich lieber auf die Demoseite von Piwik. Dort kann man sich live ansehen wie das Backend aussieht und welche Funktionalitäten es bietet.
Eine Einschränkung gegenüber Google Analytics ist, dass ich keine genau definierten Zeiträume für Statistiken anzeigen kann. Ich habe nur die Wahl einen bestimmten Tag, eine bestimmte Woche, Monat oder Jahr zu sehen. Eine Auswahl 3. Jänner bis 4. April ist nicht möglich. Nun, damit kann ich leben.
Es gibt jedoch auch eine API mit der einE ProgrammiererIn wahrscheinlich viel herausholen könnte.
Eine Übersichtsseite bietet die für mich wichtigsten Statistiken. Diese ist frei konfigurierbar. Sogenannte “Plugins” (Anzeige spezieller Statistiken) sind installier- und deinstallierbar und auf der Seite frei verschiebbar. Fast jede Einzelstatistik kann als Zahlentabelle oder Grafik angezeigt werden. Ebenso gibt es unterschiedliche Exportmöglichkeiten (PHP, CVS, XML und auch per RSS Feed).
Ebenso kann ich noch weiteren Usern den Zugriff (u.a. mit reiner Lesefunktion) auf die Statistik gewähren. Etliche Statistiken kann ich auch per Javascript bzw. iFrame in meine Website miteinbinden. Auch dazu bietet mir Piwik den jeweils passenden Code (“Widget” genannt) an.
Die Statistiken
Wie geschrieben bietet mir Piwik genügend Auswertungen an, die mir einen gewissen Einblick in das LeserInnenverhalten meines Blogs geben. Lasst mich ein paar aufzählen:
- Besuche, BesucherInnen und Seitenaufrufe
- Verweisende Websites (wenn jemand dort einen Link auf meine Website geklickt hat)
- Suchmaschinen – hier habe ich den Eindruck, dass Piwik auch genauer anzeigt, wenn jemand nicht von Google selbst kommt. Bing, Yahoo und andere Suchmaschinen tauchen zumindest mit einstelligen Zahlen bei mir auf
- Suchbegriffe: Mit welchen Suchbegriffen sind Menschen über Suchmaschinen bei mir gelandet
- Anzahl der aufgerufenen Seiten pro Besuch sowie die durchschnittliche Verweildauer
- Links die auf meinem Blog angeklickt wurden. Damit kann man sehen ob ein Link in einem Artikel auch wirklich “Sinn” machte
- Verwendete Betriebssysteme, Browser, Bildschirmauflösungen, etc. Ja, all das sendet euer Browser so mit, wenn ihr es nicht ausgeschaltet habt.
- Länder und Provider über die meine BesucherInnen kommen (Deutschland, Österreich und die Schweiz sind in meinem Blog – wer hätte das gedacht – die Länder mit den meisten LeserInnen meines Blogs)
Sehr schön für mich gegliedert ist die Anzeige der aufgerufenen Seite. So kann ich in einem Verzeichnisbaum in die einzelnen Subverzeichnisse meines Blogs einsteigen. Mit “archives” sehe ich die Aufrufe von einzelnen Artikeln. Über den Pfad “plugin / tag” kann ich herausfinden ob Tags auch wirklich genutzt werden (die Antwort ist ja). Erstmals fällt mir auch eher auf, wenn eine statische Seite aufgrufen wird, da diese auch in einem anderen “virtuellen” Verzeichnis liegen.
Erstes Fazit
Für meine Zwecke reicht Piwik mehr als aus. Ich möchte hautpsächlich wissen, was gesucht wird und welche Artikel oft aufgerufen werden.
Wer ein Blog wie Serendipity aufsetzen kann, der/die kann auch Piwik installieren. Spezielle Einstellungen braucht es keine, allein der Javascript-Code muss ins eigene Blog um den Zähler laufen zu lassen. Piwik läuft bei mir seit einer Woche und ich habe keinen Fehlaufruf oder sonstige Probleme entdeckt.
In den ersten Tagen habe ich die Ergebnisse von Piwik mit denen von Google Analytics verglichen. Webstatistik ist keine perfekte Wissenschaft. So gab es kleinere Abweichungen in der Zählweise. Aber ob ich jetzt drei BesucherInnen weniger oder mehr habe ist für mich (in der Statistik) nicht von Relevanz. Ansonsten gab es keine größeren Ausreißer zwischen den beiden Tools.
Piwik wird weiter entwickelt, die API und die Möglichkeit von Plugins bieten viele Möglichkeiten. Sofern es interessierte ProgrammiererInnen gibt, werden wir da wohl noch einiges sehen.
Und das wichtigste Argument habe ich oben schon erwähnt: Die erhobenen Daten landen bei keiner Firma, von der ich nicht weiß, was sie eventuell damit machen wird/würde.
Kommentare
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max :
Robert Lender :
Ich habe im Web einige Blogbeiträge über die Version 0.2.x gelesen, die positiv gestimmt aber mit vielen Kritikpunkten versehen waren. Aber nunmehr gibt es schon 0.4, die um einiges besser aussieht.
Ich hoffe, dass die Roadmap bis zur Version 1.0 auch haltbar ist.
kho :
ein guter Tip, Vielen Dank dafür!! Ich habe Piwik auch gleich mal bei mir im Photoblog zum Test installiert.
Liebe Grüsse und einen schönen Sonntag noch, kho
Markus Ladstätter :
Robert Lender :
khomarkusNochmals danke.
Eure Eindrücke würden mich sehr interessieren. Denn nach ein paar Tagen hat man noch nicht alle Funktionen intus bzw. gibt es vielleicht doch Probleme, die ich noch nicht gefunden habe.
Euch allen ebenfalls einen schönen Sonntag.
michael kamleitner :
thx!
Johannes :
Habs jetzt auch gleich mal zum Testen aufgesetzt und bleib dran.
liebe Grüße Johannes
Robert :
Grischa :
Danke für den ausführliche Bericht! Das gibt einen guten Start.
Matthias :
Nils D. :
Meinereiner :
Übrigens, gibt es in einem deutschen Bundesland ein Gerichtsverfahren, weil ein G-Analyticsnutzer seine User nicht vorzeitig auf die Erfassung der Daten aufmerksam gemacht hat… noch ein Grund, Google nicht zu vertrauen was Daten anbelangt.
Dieter :
Gut an Deinem Bericht fand ich Deine genaue Einbauanleitung, auf die ich alleine nicht gekommen wäre. Deshalb noch einmal Vielen Dank!
SeoMatrix :
Mari :
ich komm nicht sooo oft bei Dir hier vorbei, aber immer wenn ich irgendetwas an meinem Blog bastle, dann finde ich hier bei Dir die Antworten auf meine ungelösten s9y Fragen und dafür danke ich Dir heute mal von Herzen.
Viele Grüße von mari
Robert Lender :
danke dir :)
Freut mich, wenn es in meinem Blog Informationen gibt, die du auch nutzen kannst.
Anregungen oder Wünsche sind herzlich willkommen.